Jan Schmitz – Ironman Mallorca


Um 4:45 Uhr ging der Wecker und schon nach dem Aufstehen war klar, das wird nicht mein bester Tag. Die Anspannung und Nervosität vor meiner ersten Langdistanz waren einfach zu groß als dass der Kopf hätte frei sein können. Für das Rennen hatte ich mir vorgenommen, ruhig bis ins Ziel zu kommen und keine Experimente zu wagen. Die 3,8 Km Schwimmen durch die Bucht von Alcudia liefen, nach anfänglichem Gedränge beim Start, gut und nach 1:03h kam ich aus dem Meer. Der erste Wechsel durch die lange Wechselzone dauerte 6 Minuten. Der Radsplit begann vielversprechend bis Km 20, als der Schlauch den Mantel von der Felge hob. Offensichtlich etwas zu viel Druck. Also angehalten, Luft raus, Mantel richten, Co2 Patrone und fertig. Die kleine Panne hat 10 Minuten gekostet und weiter gings. Die ersten 90 Km waren in rund 3 Stunden geschafft. Alles war wieder im Plan und zu diesem Zeitpunkt war ich auch von den starken Radfahren im Feld einsortiert worden und in meiner Geschwindigkeitsklasse angekommen. Als guter Schwimmer ist es vom Kopf her immer schwer, am Anfang der Radstrecke viel überholt zu werden. Nur nicht nervös machen lassen und erstmal mit Essen beginnen - hat geklappt. Bei Km 110 ging der Anstieg rund 10 Km zum Kloster Lluc in den Bergen los, dem anspruchsvollsten und kraftraubensten Teil der Radstrecke inkl. anschließender Abfahrt über Serpentinen. Nach 180 Kilometern in 6:27h kam ich in der zweiten Wechselzone an. Den Anstieg rausgerechnet ein Schnitt von rund 30 Kmh und damit im Plan. Der zweite Wechsel dauerte 9 Minuten inkl. Auffrischung des Sonnenschutz und Pinkelstopp. Die Vorstellung jetzt einen Marathon über 42,195 Kilometer laufen zu müssen, war in Distanz und Dauer kaum denkbar. Einfach anfangen... Die ersten Kilometer waren schwer aber es war die richtige Ernährungsstrategie, erst jetzt mit den Koffeingels zu beginnen. Bis zum Halbmarathon lief alles flüssig und gut, nur dass ich ziemlich viele Pinkelpausen einlegen musste, die den Schnitt drückten. Von da an wurde es zunehmend schwer, sehr schwer. Jetzt noch einen Halbmarathon und dann ist es geschafft. Die letzten 20 Kilometer waren ein Wechsel aus Gedankenversunken, Rhythmus behalten, Tunnelblick, Beißen und Leiden. Jetzt bloß nicht übertreiben und das Ding wie geplant ins Ziel bringen. Letzte Runde, noch 9 Kilometer. Kämpfen und genießen, das große Ziel zum greifen nah. Noch einmal durch Alcudia und über die Platya. Die Stimmung an der Strecke war großartig, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt davon nichts mehr aufsaugen konnte. Irgendwann war es geschafft und ich durfte mit dem vierten Rundenbändchen am Arm in den Zielkanal einbiegen. Ein unglaublicher Moment, für den sich das Training und die harte Arbeit der letzten Monate gelohnt haben. IRONMAN nach 12 Stunden und 20 Minuten.

Go-Coach hat mich in den letzten Jahren auf dem Weg von der Olympischen Distanz, dem Marathon, über Halbdistanzen bis zum Ironman gebracht. Manchmal habe ich Go-Coach geliebt, manchmal gehasst, aber immer darauf vertraut. Zurecht, der "Anzug" hat gepasst und ich habe auch diese Langdistanz, trotz vorheriger Verletzung an der Hand, gut vorbereitet überstanden. Vielen Dank dafür!!! Jetzt gibt es eine kleine Pause und dann arbeiten wir im Winter an der Verbesserung der Zeiten. Wie sagen Sie immer? Wir schaffen das :)